Andrej v. Amady

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                                 anonymus                                                        

                                                         

             ANDREJ von AMADY

                            Liebe und Wahnsinn
                               in finsterer Zeit    

1.
Du wolltest unbedingt, dass ich diese Erzählungen niederschreibe; die Saga unserer Familie in „dürftiger Zeit“. Ich konnte es aber nicht in einer kühlen Art tun. Die Zeiten waren eher finster. Wozu Dichtung in dürftiger Zeit? – sagte einst Hölderlin. Es nagte an mir und zwar jeden Tag, jeden Augenblick. Ich habe nicht nur Intellektuelle, Künstler gekannt. Von denen und ihren Ausreden – „man erwartet mich zu Hause, die Kinder warten auf mich“, usw – hatte ich genug. Als ob eines Tages dieselben Kinder nicht uns über ihr Leben und unsere damalige Haltung ausfragen und uns alle verdammen werden. Nein, ich hielt es lieber mit den Ausgestoßenen, mit den Störenfrieden, mit denen, die noch den aufrechten Gang übten; so, wie sie nur konnten. Diese hatten noch eine bestimmte Würde, eine bestimmte Haltung und riskierten jeden Tag was. Obwohl sie nur für kurze Zeit ´draußen´ waren. Mehr als die Hälfte ihres Lebens waren sie ´drinnen`, eingesperrt. Für eine Schlägerei, für die Wahrheit. Dafür, sich nicht demütigen zu lassen. Die Ersterwähnten aber, nicht. Sie wollten lieber über Bücher reden. Diese konnte ich aber auch alleine lesen und beurteilen. Und obwohl es nur einen winzigen Umriss gibt über diese Gräueltaten, die wahrhaftig passiert sind, schien es mir notwendig eine besondere Schilderungsweise zu benutzen. Eine, die auch die Gemütszustände wiedergibt, die jeder durchlebt hat. Das Antlitz so vieler Bekannter und Freunde, die ausgelöscht wurden, hat sich in meiner Handfläche eingeprägt. Gleich dem umstrittenen Antlitz auf dem Turiner Leichentuch. Wie sollten wir aber die Unendlichkeit mit dem Vergehen in uns begreifen? Man sagt, es sei eine Grenze, jenseits derer unsere Gedanken sich plötzlich bewahrheiten würden. Unheimlich somit die Ähnlichkeit zwischen Opfer und Täter.


Alle vereint und blutrünstig nun, vor der Gestalt des von der Angst befreiten; unmöglich. Unmöglich zu lieben ohne zu sterben, und es war vielleicht nur ein verspäteter Sommertag, da diejenigen, die uns gestern das Leichentuch webten, heute uns mit goldenem Faden das Tuch des Vergessens verzieren. Die Zähne sind dem Verstand viel näher als dem Herz, nicht wahr? Hat man dennoch gemeinsam Zeit und Brot gebrochen; im Tannenduft eines Osternachmittags, im frischen Hauch eines Glockenklangs. Könnte man aber behaupten, jemand hätte sich den Beruf des Todes angeeignet? Versteinert im Fensterrahmen das Antlitz eines Greises, der in sokratischem Lauschen nun flüstert: wahrscheinlich freuen sich nur die Dahingeschiedenen auf ein Wiedersehen, nur der Hund, der mit einer dem Menschen selten eigener Freude dir entgegenkommt; man lacht kaum noch; man grinst nur. Was übrig blieb, aus dem Herzgerippe. Das, was kommen wird, liegt in diesem Schneefall; ein Kreis der Vereinsamung; du klopfst an der Tür; nach einer Weile wird dir geöffnet; niemand bittet dich rein. Erinnerst du dich noch an das Kreuz Christi am Dorfrand? Am Anfang und Ende der verlassenen Dörfer? Einst so reich und wohleingerichtet, als die Sachsen noch da waren? Heute sind sie dem herbstlichen Lehm immer ähnlicher. Greisinnen, die, gebückt über ihre Gräber, Unkraut jäten. Anspruchslos, die Erde. Der Tod, viel älter bei der Geburt. Lang, der längste, dieser Weg zwischen den zwei verrosteten Kreuzen Christi am Rande der Dörfer. Und nun, zur Abwechslung, ein ´Kochrezept´, nach einem wahren Laborexperiment: man nehme fünfzehn Ratten und sperre sie in einem Käfig ein. Man gebe ihnen nur Wasser, bis ihre Eckzähne sichtbar bedrohlich werden. Vor Hunger werden sie die Schwächeren auffressen. Es folgen die anderen; bis nur eine übrigbleibt. Man gebe ihr erneut nur Wasser, bis sie beinahe krepiert, dann steche man ihr die Augen aus und lasse sie auf ihren freien Kumpanen los; in ihrer Rage wird sie einen nach dem anderen zu Tode beißen, bis sie schließlich von einem viel Stärkeren vernichtet wird. An diesem sollte man dann wieder das oben genannte Rezept anwenden. Global führten noch alle Wege nach Washington. Was nun, was nun mit diesen Vorschrifts-Ratten?


2.

Damals habe ich noch den Wald in euren Augen gesehen, meine Kinder: jenseits des Waldschweigens. Erloschen die Blätter. Das Knistern des Schnees unter unserem vorjährigen Schritt. Nordsehnsucht, was uns ausmacht, und was uns ausmacht, nie sichtbar. Homöopathisch verstreut der Tod in der Schönheit. Sie aber bedecken dich erstens mit Erde und reden danach noch eine Weile über dich. Verklärt, die Ferne in dieser Herzverzerrung. ..........

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