Andrej v. Amady

                                                                                                              

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             ANDREJ von AMADY

                            Liebe und Wahnsinn
                               in finsterer Zeit    

17.


Viel später, als ich mal zu Besuch „nach Hause kam“, sagte er mir bei einem Gläschen Wein: „Die Wahrheit ist öfters so banal, so offensichtlich, dass sie nicht wahrgenommen wird. Wir befinden uns alle auf dem Abhang eines Berges und rollen talabwärts. Können nicht aufhalten, oder doch? Wie aber, mit dieser Gemütlichkeit, dieser allgemeinen Bequemlichkeit, dieser Verweichlichung, die dazu geführt hat, dass alles, aber auch alles als Fertigprodukt verlangt wird? Die Entscheidungsträger der Machtstrukturen stehen alle unter dem Zeichen der Schmiergelder, der Einflussausübung. Wem aber gehört der Finger, der den Domino-Effekt in Bewegung setzt? Zorn und Trauer begleiteten uns. Ohnmacht. Es gibt anscheinend bei uns zwei Kategorien „Politiker“: die Ignoranten, die Dummen, und dann die Diebe, die Schurken. Ist es nicht merkwürdig, dass die Methoden der Tortur, der Menschenmanipulation, die selbst die Nazis von den langen Erfahrungen der Sowjets seit 1917 erlernt haben, weitergeführt wurden und heute in Seminaren der Schlagfertigkeit, Manipulation, behaviour-Strategien, raffinierter Politiker-Rhetorik usw. unterrichtet und vorgestellt werden? Jedes Kind bedeutet, ja, ist Zeit. Man führt einen Krieg gegen die Zukunftsform dieser Zeit, gegen die Kinder also. Denn auch die, die etwas zu erzählen hätten, werden kleingekriegt, nach dem Motto: ´erzählen Sie keine Lügen mehr über mich (Verleumdungen, Falschaussagen) und ich werde auch nicht die Wahrheit über euch sagen´. Die Zahl der Schurken ist doch nicht so groß wie die der Wahnsinnigen; und viele sind wahnsinnig, aber mit System. Ein Jäger erkennt einen anderen Jäger von weit her in diesem Geflecht des Geldfiebers. Wie auf einem Basar … alles wird verscherbelt. Ein ganzes Land, ein ganzer Kontinent. Diese Verzweiflung, die vom Elend hervorgerufen wird, führt auch nicht zu Veränderungen.


Nur zu Aufruhr, wodurch eine Kappe durch eine andere gewechselt wird. Solidarität muss letztendlich einen gemeinsamen Nenner haben, unter dem Zeichen eines gemeinsamen Nenners stehen. Wer oder was könnte dieser sein in einer gottlosen Welt? In dieser Frage liegt wie üblich auch die Antwort. All diejenigen, die etwas anprangern, enthüllen, bewegen oder verändern wollten, wurden entweder als Terroristen, Rebellen, Störenfriede oder als Individuen mit rassistischen Tendenzen abgestempelt. Denn sie wissen sehr gut: raub ihnen die Zeit und du hast sie unter Kontrolle. Wie findet man aber den gemeinsamen Nenner … so wie man es in der Mathematik tut?“ - Da könnte vielleicht eine Geschichte nützlich sein, dachte ich mir. Und zwar: obwohl es damals gemäß der „kommunistisch-menschlichen Prinzipien“ keine Arbeitslosen gab, sah man einen merkwürdig gekleideten Mann jeden Morgen am Ufer des Flusses. Er hatte Bart und lange Haare, was jeden wunderte. Denn Polizisten machten Jagd auf die Langhaarigen und auf Mädchen mit kurzen Röcken. Ihn aber ließ man merkwürdigerweise in Ruhe. Er wusch leere Flaschen und entfernte das Etikett - „zupf am Etikett!“, wie die Schauspielerin aus „Wer hat Angst vor Virginia Wolff“ – denn nur so wurden sie im Laden angenommen. Ob Sommer oder Winter trug er einen langen, verwaschenen Mantel. Auf dem Kopf immer eine Wollmütze. So wie es die Kinder tragen. Man nannte ihn Eßnapf. Einige erzählten, dass er über die Grenze flüchten wollte. Man hätte ihn erwischt, gefoltert, verprügelt, eingesperrt und dort wahrscheinlich auch „bearbeitet“. Woher er kam, wusste aber keiner. Und er sprach auch mit niemandem darüber. Man sah ihn mit seinem Henkelnapf in Richtung Altersheim laufen. Jeden Tag, um die Mittagszeit. Hier bekam er, was von den Schülern des Internats und von den Alten übrigblieb. Er wurde allmählich ein Teil der “Landschaft”. Wenn er eines Tages wegblieb, fragte sich jeder, wo könnte er nur sein? Nach einer Weile, da er intelligent und auch belesen war, und auch, weil es sich lohnte, ein Gespräch mit ihm zu führen, etablierte er sich als der Mann der … Ärzte aus Hospitälern und Kliniken, aber auch der Lehrer, die ihn mit einem „Muntermacher“ weiterhalfen. Kleingeld. Er hörte ihnen aufmerksam, demütig zu und beschaffte ihnen täglich die begehrte und meistgelesene Sportzeitung, die in wenigen Minuten ausverkauft war. Hatte an jedem Kiosk seine Beziehungen. Suchte man aber eine literarische oder eine andere Art Zeitung, musste man sich nach dem Ausverkauf auch an ihn wenden. Er brauchte fürs Leben nicht viel. Schlief hie und da in irgendeinem Schuppen oder Keller und schlief manchmal, während des Tages, im Stehen neben dem großen Kachelofen des Zentralladens. Hier fand man … alles, außer Lebensmittel. Er rauchte nicht, trank nicht und sah immer sehr gesund aus. Ein Lehrer sagte mir mal, nachdem er von ihm die Sportzeitung in einem Kaffeehaus gekauft hatte: „Du, ich weiß nicht, aber dieser Kerl ist mir nicht koscher…Er wird an der Grenze erwischt, gefoltert und verprügelt und doch..........
    

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