Werner Goebl

                                WERNER GÖBL web2                                                                                                                  

 

              WERNER GÖBL 
                                             

                         DER VERLORENE TAG
                                                                          

      Sicher wird kein Mensch meine Geschichte glauben. Aber darum geht es mir nicht. Nicht weil sie so unglaublich ist, schreibe ich sie nieder. Einen anderen Grund bewegt mich es zu tun.
Als ich heute morgen aufwachte, durch die Musik vom Radiowecker, das erste was mir auffiel, war die Anzeige: Freitag 13.08.2.... Das Datum störte mich nicht. Aber Freitag? Gestern war es noch, für mich, Mittwoch. Nun war es, plötzlich, Freitag.
      Dennoch bin ich nicht in Panik geratten. Daß auch elektronische Geräte ab und zu spinnen, ist ja keine Seltenheit. Kaum beruhigte mich dieser Gedanke schon hörte ich eine lustige Frauenstimme sagen: Allen die abergläubisch sind, wünsche ich diesen 13. und Freitag ohne Bein- und Halsbruch zu überleben. Das fand ich überhaupt nicht lustig. Ich sprang aus dem Bett und ging ins Badezimmer. Dort schaute ich im Spiegel meinen Bart an. Er war ein Tag alt. Ich rasiere mich jeden zweiten Tag. Das letzte mal geschah es am Dienstag. Also auch laut meinem Bart war es gestern Donnerstag. Ich hatte noch keine Schweißausbrüche aber wohl war es mir auch nicht. Das logische Denken hatte mich noch nicht verlassen.
      Aus Gewohnheit habe ich den Donnerstag als Großeinkauftag beibehalten. Ich öffnete die Tür vom Abstellraum: einen neuen Sack mit Kartoffeln, zwei Flaschen mit Sonnenblumenöl, Reis, Zucker usw. Alles war da.
Zum ersten mal, an diesem Tag, mußte ich tief Luft hollen. Meine Lage war mir klar: ich habe an dem gestrigem Tag dies und jenes ganz bewußt getan aber ich kann mich an nichts erinnern. Ob diese Lage kritisch oder peinlich sei, fragte ich mich nicht. Im Laufe des Tages hat sich nicht nur beides bestädigt sondern sind noch ein paar Adjektiven dazu gekommen die, zumindest für mich, unbeschreiblich sind.
     

      
    Inzwischen sind es eine knapp halbe Stunde vergangen. Ich bin tätig in einem Büro mit flexibilen Arbeitszeiten. Unter Zeitdruck stehe ich nur wenn irgend ein Projekt den Produktionsablauf beeinflußt. Und sogar dann stehe ich nicht alleine da sondern werde unterstützt von meinem Bürokollege Robert. Zwischen uns hat sich noch nie so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Aber wir kommen sehr gut zu Recht miteinander.
     Ich überlegte meinen nächsten Schritt. In meinem Kopf lief nur noch ein Programm: den verlorenen Donnerstag zu rekonstruieren. In der Küche zündete ich mir eine Zigarette an. Währenddessen sah ich, daß die gelbe Tragetasche, in der ich das alte Brot samelte, leer war. Das heißt: ich war gestern am Fluß und habe die Enten gefüttert. Dies geschiet allerdings in unregelmäßigen Abständen, nachdem wie schnell die Tasche voll ist oder auch nach Lust und Laune.
     Auf den täglichen Kaffee und das Lesen der Tageszeitung habe ich verzichtet. Danach war es mir überhaupt nicht.
     Der nächste Schritt: das Wohnzimmer. Hier fand ich alles unverändert genauso wie ich es in Erinnerung hatte von Mittwoch abends. Das Fernsehprogrammheft, aufgeschlagen auf der Seite mit Mittwoch 11 August, bekräftigte diesen ersten Eindruck. Am Computertisch auch alles unverändert. Eine vage Vermutung keimte in mir: wenn ich gestern tatsächlich nicht im Wohnzimmer war dann ist etwas geschehen was mich, wortwörtlich, aus dem Alltag herausgerissen hat.
      Nun war ein Kaffee fällig. Meine Nerven fingen an nachzulassen, Angst zu erzeugen und, dadurch, Unsicherheit. Während die Kaffeemaschine lief, ging ich ins Schlafzimmer um mich umzuziehen. Trotz allem tat ich das sehr ruhig. Aber kaum hatte ich meinen Pulli über den Kopf gezogen, fiel mein Blick auf den zweiten Nachttisch. Hier lag ein Buch das am Mittwoch abend nicht da war. Ich nahm es in die Hand und laß den Titel: Liebesgedichte aus der ganze Welt. Das war der erste Schock. Und auch die erste heiße Spur! Dieses Buch bekam ich, vor ein paar Wochen, als Geburtstaggeschenk von einem Onkel. Aus Höflichkeit, ihm gegenüber, habe ich es behalten obwohl ich noch nie etwas anfangen konnte mit einem Gedicht; und schon gar nichts mit einem Liebesgedicht.
     Ich öffnete das Buch beim Lesezeichen und laß, so als hätte ich einen Zeitungsartikel gelesen, folgendes:
     Man braucht nur eine Insel
     allein im weiten Meer.
     Man braucht nur einen Menschen,
     den aber braucht man sehr.

     Und? Was hat das mit mir zu tun? Ich blätterte nach vorne und nach 5 Seiten erfuhr ich wer sich so etwas ausdenken .........     

mai mult.... mehr........

Web Design

 

[HOME] [DESPRE REVISTA] [REVISTA] [Andrei Zanca] [Iulian Boldea] [Mircea Petean] [Liviu Antonesei] [Miron Kiropol] [Mircea Braga] [Magda Ursache] [Eugen D. Popin] [Liliana Danciu] [Andrei Zanca - II] [Mircea M. Pop] [Horea Porumb] [Dan Danila] [Anisoara V. Cira] [Rodica Braga] [Mihaela Albu] [Monica Pillat] [Radu Ciobanu] [Hans Enzensberger] [Guenter Kunert] [Guenter Eich] [Dan Anghelescu] [Juan R. Jimenez] [Wolfgang Baechler] [Saskya Jain] [Hans Dama] [Elisabeth Anton] [Luminita Rusu] [Luca Cipolla] [Eduard F. Palaghia] [Paul Sarbu] [Aurelian Sarbu] [Bertolt Brecht] [Tanikawa Shuntaro] [Werner Goebl] [COLECTIA] [BIBLIOTECA] [CONTACT] [REDACTIA] [IMPRESSUM] [LINKURI UTILE]