Werner Goebl

Web Design

 

                                WERNER GÖBL web2                                                                                                                  

 

              WERNER GÖBL 
                                             

                                              
                             Vorhang auf

 (aus ”Der verlorene Tag”, Winterwork Verlag, 2021)


 Was hinter den Kulissen geschieht, weiß man nicht aber man vermutet es. Dadurch entstehen Geschichten die man teilweise sogar glaubt. Nicht selten hört man Ausdrücke wie: <Hätte ich ihm nie zugetraut!>, <Habe ich von ihr nicht erwartet!> und ähnliche. Warum mache ich diese Einleitung? Es ist unglaublich wie oft man einen anderen Mensch falsch einschätzt. Aus eigener Erfahrung bin ich da auf ein Dilemma gestoßen. An wem liegt diese falsche Einschätzung? Liegt es am Betrachter? Liegt es am Betrachteten? Oder liegt es an beiden? Ich habe Nina S. schon immer für eine Zicke gehalten. Ich mochte sie einfach nicht. Was auch immer sie tat, fand ich schlecht. Wir haben dieselbe Schule besucht. Sie hat die Jungs, nicht nur aus unserer Klasse, auf Abstand gehalten. Das nach dem Motto: Du bist mir nicht würdig! Lange Rede, kurzer Sinn, sie hat sich für etwas Besonderes gehalten. So meine Einschätzung. Dazu möchte ich nur ein Beispiel geben. Wenn sie keine Lust hatte auf einen Unterricht, hat sie die Kranke gespielt. Und das hat sie so perfekt gemacht, dass nicht nur der Lehrer sondern auch wir, Schüler, geglaubt haben sie sei wirklich krank. Dieses verborgene Talent habe ich, und nicht nur ich, nicht gesehen. Mein Urteil war: Das ist nur Theater was sie da macht! Nach 20 Jahren habe ich die Überraschung meines Lebens erlebt. Das hat jetzt nichts mit Alexander Dumas zu tun. Ich habe eine große Stadt besucht, einen einwöchigen Urlaub da gemacht. Sie hat viele Sehenswürdigkeiten. Schon am ersten Tag bin ich an das Große Theater vorbeigegangen. Um genauer zu sein, wäre ich vorbeigegangen wenn mir nicht ein großes Plakat die Aufmerksamkeit gefangen hätte. Die Frau kam mir bekannt vor. Und dann habe ich es gelesen: Nina S. Sie hatte die Hauptrolle in einem Theaterstück. Der Autor war mir nicht unbekannt. Der Titel war vielversprechend: Das Spiel mit dem Feuer. Ich ging sofort zur Kasse.

   
Die war, leider, geschlossen. Da habe ich mich ein bisschen aufgeregt. In so einer großen Stadt, müsste die Tag und Nacht offen sein. Es kam noch schlimmer. Auf einem kleineren Plakat habe ich gelesen, dass an jenem Tag, und den 5 darauf folgenden, die Vorstellung ausverkauft war. Dennoch habe ich nicht aufgegeben. Beginn war 20 Uhr. Ich hatte fast noch 3 Stunden Zeit. Ich fuhr mit einem Taxi zum Hotel. Während ich duschte, überlegte ich was ich anziehen soll. Eine große Auswahl hatte ich nicht. Zum Glück hatte ich ein weißes Hemd dabei. Bis zum Theater bin ich mit dem Bus gefahren. Vor dem Eingang wimmelte es mit Leuten. Woran ich gehofft habe, hat sich bestätigt. Zuerst habe ich links und rechts gefragt nach einer Karte. Auf einmal ist ein Mann auf mich zugekommen. Er hätte eine Karte aber die wäre ein bisschen teurer als die übliche Karte. Dieses Bisschen war für ihn das Doppelte. Ich habe gar nicht versucht um den Preis zu handeln. Ich habe sie sofort gekauft. Schwarzmarkt hin und her, das war mir Scheißegal. Der Saal war imposant. Ich habe sie nicht gezählt aber es waren bestimmt um die 1200 Sitzplätze. Im Programheft der Theatergruppe habe ich gelesen um was es geht. Nina S. spielte die Frau Boss und war die Ehefrau von Herr Boss, ein großer Bankier. Er hat sie, zwar nicht offensichtlich, mit anderen Frauen betrogen. Frau Boss hat es nicht nur geahnt sondern sie war sich dessen sicher. Dafür hat sie ihm keine Szenen gemacht. Im Gegenteil. Sie hat alles Mögliche getan um ihm wieder zu gefallen. Der Schuss ging nach hinten los. Herr Boss, was bei einem großen Bankier ungewöhnlich ist, wurde von Schuldgefühlen überfallen. Schließlich hat er die Scheidung eingereicht. Frau Boss hatte ihren Mann los und war finanziell abgesichert. Ende gut, alles gut. Nach meiner Meinung eine billige Geschichte. Kaum habe ich das Programheft durchgelesen, schon schlug der erste Gong und eine Lichterreihe ist ausgegangen. Es folgte der zweite und dritte Gong. Und dann ging der Vorhang auf. Sie saß auf einem Stuhl, vor einem Toilettenspiegel, mit dem Rücken zum Publikum und schminkte sich. Anfangs war im Hintergrund klassische Musik zu hören. Als es still wurde, drehte sie sich zum Publikum. Ein Drehstuhl vor einem Toilettenspiegel ist fast unvorstellbar. Aber im Theater kann man vieles improvisieren. Ihre ersten Worte waren: Ich muss das tun! Danach drehte sie sich zum Spiegel und schminkte sich weiter. Als sie wieder mit dem Gesicht Richtung Saal war, erzählte sie warum sie das tun muss. Sicher habe ich diese Anfangsszene ganz anders erlebt als die anderen Anwesenden. Ich hatte vor mir nicht mehr die Zicke, die ich kannte, sondern eine richtige Frau. Ein Engel hätte ihre Rolle nicht besser spielen können. Ich war so begeistert von ihr, dass ich am nächsten Abend wieder hin musste. Ich suchte fieberhaft den Mann mit den Karten. Diesmal war er vorsichtiger. Warum auch immer, ich bin ihm verdächtig vorgekommen. Erst als ich ihm ein Zeichen mit meinen Händen machte, dass ich eine Karte suche, hatte sich seine unbegründete Angst aufgelöst.,......... 

mai mult.... mehr........

[HOME] [DESPRE REVISTA] [REVISTA] [E.E. Cummings] [Nicolae Silade] [Andrei Zanca] [Magda Ursache] [Liviu Antonesei] [Kocsis Francisko] [Lucian Vasiliu] [Mircea Petean] [Elina Adam] [Mirela Roznoveanu] [Halmosi Sandor] [M. Roznoveanu II] [Al. Cistelecan] [Andrei Zanca II] [Radu Ciobanu] [Rodica Grigore] [Zenovie Carlugea] [Gheorghe Simon] [Fekete Vince] [Miron Kiropol] [Stefan Borbely] [Virgil Diaconu] [Eugen D. Popin] [Nicolae Suciu] [Marko Bela] [Cornel Ungureanu] [Savu Popa] [Clara Margineanu] [Nika Turbina] [Gheorghe Simon II] [Marian V. Buciu] [Mircea M. Pop] [Lucretia Berzintu] [Iosif L.Grapini] [Mirela Brailean] [Dragos Niculescu] [Angela Burtea] [Alexandru Jurcan] [Alexandru Cazacu] [K.V. Twain] [Andrej v. Amady] [Andrei Zanca III] [Sergiu P. Dema] [Clelia Ifrim] [Werner Goebl] [Hans Dama] [ARS MOVIMENTO] [COLECTIA] [BIBLIOTECA] [CONTACT] [REDACTIA] [IMPRESSUM] [LINKURI UTILE]