Eugen D. Popin

                                                                                                              

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               EUGEN D. POPIN
                               
    
               DIE NACHT DES GEFANGENEN
                                         oder
                         Alles muß gesagt werden *

 
Übersetzung aus dem Band Die Nacht des Gefangener, (Noaptea prizonierului) erschienen im Limes Verlag, Klausenburg, 2026 
                           
                              INSZENIERUNG*

     ...Und ja, der betreffende Tag ist gekommen, also der Tag, an dem ich der Antrag auf Aufnahme in die Partei-Organisation innerhalb der Institution, in der ich angestellt war, eingereicht (was für ein seltsames Wort!) habe. Anschließend wurde ich in das Büro der Parteiorganisation eingeladen, um die Unterlagen zu besprechen. Dort nahm neben einigen dienstlichen Kollegen mit Ämtern auch eine Vertreterin des städtischen Parteiorgans (!) teil. Kaum hatte ich das erwähnte Büro betreten, das wie für eine Prüfung vorbereitet wirkte, mit einer Kommission hinter einem redlichen Tisch, natürlich mit roter Tischdecke, da spürte ich die Feindseligkeit, deutlich im Gesicht der Vorsitzenden des Treffens mit dem Kandidat. Mir wurde angeboten, mich auf einen Stuhl in der vorderen Reihe vor dem Präsidium zu setzen. Ohne große Förmlichkeiten begann eine Diskussion über den Inhalt der Unterlagen. Ehrlich gesagt wurden mir Fragen gestellt, die keinerlei besondere Bedeutung hatten. Mal über die Familie, mal Fragen aus Parteidokumenten (!), auf die ich nicht immer die erhoffte Antwort hatte; manchmal gab es gar keine Antworten. Das gesamte Inszenierung dauerte eine halbe Stunde. Warum sage ich Inszenierung? Die Kommission (bestehend aus dem Parteibüro der Institution, in der ich arbeitete) funktionierte formell; die Kollegen fungierten als obligatorische und peinliche Statisten für die Genossin des höheren Parteigremiums. Jene Genossin hatte bereits, wie in den 50er Jahren, die vorgefertigte Antwort auf mein Antrag, lange im Voraus. Am Ende wurde mir natürlich von der Höhe der Genossin-Position mitgeteilt, dass ich nicht ausreichend vorbereitet sei um in die Reihen der Partei aufgenommen zu werden. Und die Genossin entschied, in Absprache mit der B.O.B. (Büro der Basisorganisation !): die Anfrage wird auf einen später zu bestimmenden Termin ver-schoben. Nun, eine solche Demütigung lässt sich nur schwer als stolzes Vorzeigestück verbuchen. Besonders in jungen Jahren.  


     Nach Beendigung der Sitzung ging ich zu Fuß nach Hause. Wie sonst auch, ich war zerschlagen und wahrscheinlich dass war auch verständlich. Auf dem Weg durch die Stadt, mit der natürlichen Hektik des Nachmittags, kam es mir jetzt fremd und kalt vor. Ich erinnerte mich an Momente der Sitzung (ich stand üblicherweise) und durchlebte das Gefühl des Gefangenen, dem alle Rechte entzogen waren, noch einmal. Ich war mir bewusst und machte mir Vorwürfe, dass ich es de facto mit meiner eigenen Hand getan habe. Und das, obwohl ich selbst nicht von der Ideologie überzeugt war, der ich mich anschließen müsste. Erschüttert vom Straßenlärm fiel mir ein, wie ich an einer Kreuzung an einem großen Gemälde des Generalsekretärs der Partei vorbei kam, Seiten aus Orwells Buch – 1984. Das Bild des Großen Bruders herrschte dort; doch dieses Gesicht, so bekannt, war hier nicht weniger präsent. Alles, was Orwells Text so bildhaft schilderte, lebte noch nicht in unseren Häusern, und wir wurden noch nicht rund um die Uhr von der Partei-Staat überwacht. Dennoch wussten wir, dass die Securitate eine Art und Weise hatte, uns zu hören und zu sehen. Ich tröstete mich damit, dass ich für das allmächtige Organ höchst unbedeutend war. Als ich vor dem Block ankam, in dem ich wohnte, blickte ich instinktiv nach oben in Richtung der Etage, in der sich unsere Wohnung befand. Die Fenster waren geschlossen, ein Zeichen dafür, dass meine Frau das Büro noch nicht verlassen hatte. Gegen meine Gewohnheit stieg ich diesmal ohne Eile die Treppe bis zur siebten Etage hinauf. Ich war innerlich leer, gedankenlos, erschöpft. Ich stieg die Stufen hinauf und zwang mich dazu, sie zu gehen. Als ich vor dem Eingang der Wohnung ankam, drückte ich instinktiv den Klingelknopf und wurde sofort mit der Realität konfrontiert: „Klopfe, und es wird aufgetan!”. Hier musste ich es allerdings selbst machen. Ich muss und ich werde es tun, sagte ich mir.

     Ich schaute einen Moment auf den Hausschlüssel, den Schlüssel zu einem echten Yale, ein Schloss, das sich mit keinem Werkzeug leicht öffnen ließ, ein zusätzliches Hindernis für diejenigen, die uns einen Arbeitsbesuch abstatten wollten//mussten. Als ich drinnen war, erinnerte mich die Stille der Wohnung an das Gefühl, als Kind von der Schule zurückzukommen.
     Zog meine Jacke aus und hängte sie auf den Kleiderbügel im Flur, eine Eigenkreation aus Latten und Kleiderbügeln, die ich bei „Dem guten Hausherrn” gekauft hatte. Der ovale Spiegel daneben und sein Rahmen waren das Ergebnis meiner Bemühungen. Ich war, ja, wieder zu Hause, auf den wenigen Dutzend Quadratmetern, auf denen wir, zumindest theoretisch, unsere Privatsphäre hatten. Ich zog meine Hausschuhe an und betrat dann geistesabwesend das Wohnzimmer. Plötzlich fiel mir durch den Stoff der Vorhänge der Horizont auf: Dichter, weißlicher Rauch stieg in den Himmel, um sich dann über der Nachbarschaft niederzulassen. Es stammte aus der Waschmittelfabrik, aus dem hohen Fabrikschornstein, der keine Filter für die beim Produktionsprozess freigesetzten Partikel hatte. Die Fensterscheiben in der Nachbarschaft waren stets mit einer feinen Schicht weißen Staubs bedeckt, der sich zu Schäumen verwandelte, wenn der Sommerregen gegen sie prasselte. Aber wir waren jedoch froh, unser Zuhause zu
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