Hans Dama

                                                                                                             

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                HANS DAMA   


              Wien-Gedichte

Morgenstimmung im Wienerwald


Der Tau beleckt schläfrige Gräser;
der Waldboden liegt tief im Schlummer.
Frühzeitig nur der Fährtenleser
versucht Entledigung im Kummer,

streift durch der Dämmrung fahle Lücken,
bemooster Teppich ihn geleitet
über die Nacht zur Morgenbrücke,
den Blick ihm über Grünes weitet.

Vereinzelt darf er Tönen lauschen,
die zaghaft aus dem Dickicht steigen.
Verwaist der Quelle einsam Rauschen,
das unermüdlich bricht das Schweigen.

Im Baumkronengeäst ein Flattern:
ein scheinbar aufgescheuchter Vogel;
unter den Steinen dösen Nattern
im Unterschlupf des Waldeskogel.

Die Schwammerln ihre Köpfe recken
dem Morgenpflücker sich hingeben,
der mit den Fingern, seinen kecken
zulangt, auslöscht des Pilzes Leben.

Ist alles doch Werden – Vergehen,
das um uns greift und uns begleitet.
Wenn mitten wir im Leben stehen,
ist unser Abgang vorbereitet.

Die scharfe Sommerluft am Morgen
schürt eingedüsterte Gedanken,
die drückend-bangen‘ Alltagssorgen
den Wanderer lästig umranken.

Doch mit den ersten Sonnenstrahlen
purifiziert Gemüt sich, der Verstand.
Es schwinden langsam all die Qualen:
Ein neuer Tag durchzieht das Land.


29.07.2015
                       
                 
Abend im Wienerwald

Der Abend schleicht in stillen Zügen
herbei und löst des Tages Band.
Wir sinnen bei gefüllten Krügen
und spähn hinab ins müde Land.

Mein Blick taucht in dem deinen unter,
er nagt an deiner Seele zart.
Unendlichkeiten werden munter
Und rütteln an der Gegenwart.

Zwei Welten greifen ineinander,
begreifen Sinn und Tun zugleich,
fügen Gedanken aneinander
und bröckeln an der Zukunft weich.

Im Abendhauch mich leis umschmeichelnd,
verraten Blicke ihren Lauf;
die Sehnsucht gleitet ufersuchend
aus Deiner Brust, ich fang sie auf.



Morgens am Strom

Vogelsang durchbricht die Stille,
Morgentau beleckt das Land.
Regungslos, verlassne Zille
schlummert noch am Stromestrand.

Tagesanbruch liegt in Wehen,
jagt die matten Streifen fort,
diese Nachtafter, die zähen,
übers Wasser schwinden dort,

und im Osten rötlich Felder,
Sonntentakeln noch versteckt;
feucht die blassen Uferwälder,
zaghaft Leben sich drin reckt.

Aus der Ferne gleiten Kähne
über sanfte Wogen schwer;
aus den Ufernischen Schwäne
schieben Kopf und Hälse her.
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