Hans Dama

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                  HANS DAMA

 

    DIE SOZIAL- UND GESELLSCHAFTSKRITIK
          IN DEN EPIGRAMMEN PASTOREL

 
      Die während und auch nach der Entstehung Großru-mäniens sowie einige Jahrzehnte später durch die Machter-greifung der Kommunisten grundlegende Umgestaltung des politischen und gesellschaftlichen Lebens, der hiermit aus-nahmslos erfolgten Veränderungen samt allen folgenden Unzulänglichkeiten riefen nicht nur in den Reihen breiter Bevölkerungsschichten Missmut und Unverständnis hervor. In dieser unsteten Zeit lebte der Rechtsanwalt Alexandru Teodoreanu – alias Pastorel –, Bruderdichter des bekann-teren Ionel Teodoreanu.
Alexandru O. Teodoreanu (1894-1964) – wir nennen ihn fortan „Pastorel“ –, den feuchten Bacchusfreuden zugetan, verkehrte in seiner Geburtsstadt Iasi und später in Bukarester Bohèmekreisen als Poet und Lebemann und rief bei kriti-schen Lesern durch den beißenden Spott seiner Epigramme Begeisterung und Hochachtung hervor. Bereits als Schüler verfasste Pastorel in der 5. Gymnasialklasse bei einer Schul-arbeit in rumänischer Literatur zum Thema „Epigramme“ folgenden Vierzeiler, wobei erläutert werden muss, dass Pastorels Literatur-Professor Fântânaru dem berühmten Moldauer Cotnari-Weines äußerst zugetan war:
     Daca apa din fântână
     S-ar preface-n vin Cotnar
     Aș lăsa limba română
     Și m-aș face Fântânar.

     Wenn im Brunnen tief das Wasser
     Plötzlich wird zu Cotnari-Wein,
     würd’ die Lit’ratur ich lassen,
     lieber Brunnengeher sein.

 
     Ob Pastorel seine spätere Wein-Leidenschaft wohl auch in seinem frühen Epigramm vorausahnend festzuhalten imstande gewesen, bleibt dahingestellt. Bei der Besprechung der Schularbeiten stellte Fântânaru bei Pastorels Epigramm in positivem Sinne fest:
     „Măgarule, unu la purtare și zece pentru epigramă.“

     „Dummkopf, eine Eins1 in Betragen und eine
      Zehn für das Epigramm.“

Nachdem die Sowjetarmee auf ihren Vormarsch nach Westen auch in Rumänien eingezogen war, schrieb Pastorel:
     Pe drumeagul din cătun
     Venea ieri un rus și-un tun;
     Tunul rus
     Și rusul tun!

Mit dem Wort TUN gebraucht Pastorel ein Wortspiel, das auf die in Rumänien übliche Wendung beat tun für „stockbe-soffen“ Bezug nimmt.
Dass in diesem Zusammenhang das Substantiv TUN (Kanone) und das Adjektiv TUN (sternhagelvoll) im Versspiel des Dichters Zweideutigkeit beabsichtigt, ist offensichtlich.
     Es ist historisch bekannt, dass man den Sowjetsoldaten (und wohl nicht nur diesen) zur Steigerung ihrer Angriffsbereitschaft bzw. Angriffslust häufig Alkohol verab-reicht hat.
     Kein ungekrümmtes Haar lässt Pastorel auch an den von der östlichen Siegermacht nach dem Zweiten Weltkrieg gestellten Ansprüchen zur Wiedergutmachung. Zwecks Erleichterung dieser Zahlungsmodalitäten wurden auch willige rumänische Politiker eingespannt: Dr. Petru Groza2 (1884-1958) bildete am 6. März 1945 die erste demokratische Regierung des Landes – später wurde er auch mit hohen Ämtern in der kommunistischen Regierung betraut.
     Armistitiul ne-a impus
     Să dăm boii pentru rus!
     Ca să completăm noi doza,
     L-am trimis pe Petru Groza!
Nicht die russischen Soldaten an sich werden im folgenden Epigramm aufs Korn genommen, sondern vielmehr die Tatsache, dass man im gesamten Ostblock, den russischen Befreiern Standbilder erhoben hatte:
     Statuii ostașului sovietic:
     Soldat rus, soldat rus,
     Te-au ridicat atât de sus,
     Ca să te vadă popoarele...
     Sau fiindcă-ți put picioarele?
Denn im Krieg dürften auch die Soldatenfüße anderer ….....

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