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Er ist dabei nicht getrieben von einem aus Minderwertigkeitgefühlen resultierenden Geltungsbewußtsein, sondern von ausgesprochener Einfühlsamkeit sowie von Objektivität. Crohs Literaturgeschichte ist ein nahezu geniales Werk, aus der Sicht der großen europäischen Literaturen, die sich darin spiegeln. Es ist eigentlich eine europäische Literaturgeschichte, aus der Sichtweise der rumänischen Literatur jener Zeit (die durch Dada und Avantgarde die Literaturgeschichte entscheiden mitbestimmt hatte) betrachtet.
Crohs innere Emigration
In unseren Unterhaltungen am „Dienstagabend“ (…) ließ er durchblicken, daß die nach 1989 in Rumänien in den Literaturkreisen entfesselten Diskussionen jegliches Maß verloren hätten. Er fürchtete, mißverstanden zu werden. Er brachte auch keine „Kraft“ mehr zu seiner Verteitigung auf. Dabei spürte er für sich selbst auch nicht die Notwendigkeit, sich verteitigen zu müssen. Er trug der historischen Tatsache Rechnung, daß, nach einer 40-jährigen Periode der Unterdrückung der Meinungsfreiheit, kein Platz für differenzierte Ansichten vorhanden wäre.
Hierfür gibt Sokrates in seine Apologie ein bezeichnendes Bild. Als die Fesseln an seinen Händen durchschnitten wurden, sagt er: Der Stab, der lange Zeit in eine Richtung festgebunden war, schnellt, nach dem Losbinden in die genau entgegengesetzte Richtung, um dann so lange zwischen den beiden Richtungen zu pendeln, bis er das Gleichgewicht wiederfindet.
Der Stab war zu jener Zeit in Rumänien in die entgegengesetzte Richtung geschnellt. Croh wollte nicht in diesem Milieu, in dem durch die plötzliche Freiheit auch die einfachsten menschlichen Umgangsformen in Mitleidenschaft gezogen worden sind, sich „rechtfertigen“ müssen – für das einzige Büchlein, das er geschrieben hatte, als er an den Kommunismus geglaubt hatte. Niemand kann jedoch ernsthaft behaupten, daß es sich hierbei um eine, im eigentlichen Sinne, proletkultistische Doktrin gehandelt habe. [?]
Nichts war Croh verhaßter, als sich platten Vorwürfen stellen zu müssen. Er antizipierte es, daß er sich undifferenzierten Vorwürfen werde stellen müssen, vor allem wegen seines Kommunismus-Büchleins. Wer die Amintiri deghizate verfolgt, wird erkennen, daß ein Geist wie Croh nur schwer die Plattheit eines „sozialistischen Realismus“ vertreten konnte. Und dennoch hatte er es getan. Hat er dies aus Überzeugung oder aus der Erkenntnis der Ausweglosigkeit heraus getan, sich mit dem System „arrangieren“ zu müssen? Croh hielt sich selbst nie für einen „Helden“. Kurzum, wer die Amintiri deghizate aufmerksam liest, der wird entdecken, daß ein so feiner, subtiler Geist wie Croh innerlich nicht zur Überzeugung gelangt sein kann, daß die Literatur des sozialistischen Realismus die „höchste Errungenschaft“.........
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